Österreich 2005: Das Jahr wurde offiziell zum Jubiläumsjahr – 60 Jahre
2. Republik, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Beitritt – und schließlich
zum „Gedankenjahr“erklärt. „Befreiung“, „Souveränität“, „freier Waren- und Personenverkehr“ – Operationen mit dem Begriff Freiheit finden auf allen Ebenen statt.
Zum problematischen Mechanismus von Jubiläen gehört jedoch auch das Wirksamwerden der Utopie einer „Stunde Null“, die gewissermaßen eine neue Zeitrechnung einläutet. Die Gefahr der Relativierung des Vorhergewesenen und
die Verwischung von Kontinuitäten werden dabei mitproduziert. Gedanken schaden diesem Jahr sicher nicht, jähren sich doch auch das Ende des
2. Weltkriegs und des NS-Regimes, die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen und die Morde an vier Roma im burgenländischen Oberwart oder die Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner.
Anderswo feiert man das Schillerjahr – Freiheit!
Anlässe genug, den Begriff Freiheit der patriotischen Vereinnahmung zu entziehen, und ihn in seiner vielschichtigen Bedeutung auf den Prüfstand zu stellen. Wir tun dies, indem wir ihn mit einem anderen Begriff in Verbindung setzen: dem der Utopie.
UTOPIE : FREIHEIT
Da eine Vorstellung von Freiheit nicht allein in der rückwirkenden Installierung einer Utopie eines nationalstaatlichen Gründungsmythos bestehen kann, schlagen wir vor, die Diskussion um Beiträge, die sich mit dem Wesen und
der Wirksamkeit von Utopien (gesellschaftliche, politische, künstlerische, persönliche) auseinandersetzen, zu erweitern.
Der Wettbewerb soll dazu anregen, die beiden Begriffe Utopie und Freiheit in ihrer gesellschaftlichen, politischen und individuellen Bedeutung zu erforschen, aber auch um Bezüge und Kontinuitäten herzustellen und zu hinterfragen.
Die Untersuchung des Spannungsfeldes der wechselseitigen Bezüge und
der vielschichtigen Bedeutungsfelder, in deren Zentrum „Utopie“ und „Freiheit“ stehen, bieten sich so zur kreativen Auseinandersetzung an.
Form der Projekte
Erwünscht sind bislang unrealisierte Projekte aus den verschiedensten Bereichen der Bildenden Kunst, die sich prozessorientiert mit der Themenstellung auseinandersetzen,
wie z. B.:
Medien- und Rauminstallationen, Foto- und Videoarbeiten, Kunst im öffentlichen Raum, partizipative Projekte und künstlerische Interventionen, performative Kunst aber auch malerische und grafische Ansätze, sofern
dies in Bezug auf das Thema sinnvoll erscheint.
Die Projekte oder eine Dokumentation über deren Entstehung müssen im Rahmen einer Ausstellung im letzten Quartal 2005 präsentierbar sein.
In Anbetracht der Themenstellung wird den KünstlerInnen bei Kreation und Umsetzung ihrer Arbeit ein möglichst großer Freiraum gegeben, eine Auseinandersetzung mit der Themenstellung sollte aber klar erkennbar sein.
Die Ausschreibung ist öffentlich, Zielgruppe sind Kunst- und Kulturschaffende mit Schwerpunkt Wien, hinsichtlich Alter, Ausbildung und Nationalität werden keine Einschränkungen gemacht. Vorgabe ist, dass die Projekte in Wien im Rahmen einer Ausstellung, die voraussichtlich zu Jahresende stattfinden wird, präsentiert werden müssen.
Durchführung
Die Auswahl erfolgt durch ein 2-stufiges Jury-Verfahren:
Stufe 1: Auswahl aus den eingereichten Ideen und Konzepten
Stufe 2: Prämierung der umgesetzten Arbeiten
Im Anschluss an die Stufe 1 erhalten die EinsenderInnen der ausgewählten Arbeiten gemäß ihres eingereichten Finanzplans von Open Mind und unseren Partnern die Finanzierung für die Umsetzung ihrer Konzepte.
Die von der Jury ausgewählten Arbeiten müssen durch die KünstlerInnen im Zeitraum Mitte Juli bis Ende Oktober 2005 realisiert werden.
Nach ihrer Realisierung werden die Arbeiten im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In der 2. Stufe des Jury-Verfahrens werden von den realisierten Arbeiten
3 Projekte im Rahmen der Ausstellung prämiert.
Dotierung:
1. Preis: € 5.000,-
2. Preis: € 3.000,-
3. Preis: € 2.000,-
Parallel zur Ausstellung entsteht in Absprache mit den KünstlerInnen
ein Katalog.
Finanzielle Ausstattung
Hauptaugenmerk des Wettbewerbs ist die Förderung der Kunst- und Kulturschaffenden und die Umsetzung der eingereichten Projektideen.
Für die Umsetzung und Präsentation der eingereichten Arbeiten steht
daher ein Gesamtvolumen von € 100.000,- zur Verfügung.